Kaffee, Kommissionen, Kompromisse
- 14. März 2026
- 2 min Lesezeit
Die aktuelle Kolumne „Direkt aus Bern“ in der Luzerner Zeitung.
Die Sessionstage in Bern beginnen selten spektakulär. Mein Wecker klingelt um 5.30 Uhr. Kurz danach der erste Kaffee im Valloton, dem Café im Bundeshaus – und viele kurze Gespräche auf dem Gang. Diese Begegnungen sind oft genauso wichtig wie die Debatten im Ratssaal. Hier werden Argumente geschärft, Mehrheiten ausgelotet und manchmal auch Zweifel ausgesprochen. Politik folgt keinem Drehbuch. Sie entsteht Schritt für Schritt. Natürlich redet man nicht nur über Politik – nach dem Wochenende sind auch die Fussballresultate oft Thema. Als Luzerner ist das in dieser Saison nicht immer einfach. Mit einem Schmunzeln beobachte ich allerdings, wie die sonst so verwöhnten Stadtberner und Basler von den Berner Oberländern im Thuner Erfolgsrausch aufgezogen werden. Spätestens am Dienstagabend im FC Nationalrat – wo auch die Ständeräte willkommen sind – werden wir wieder zur verschworenen Einheit. Nicht selten entstammen aus diesem Teamgeist tragfähige Kompromisse über die Parteigrenzen hinweg – wobei die zugegeben eher bei einem Bier als bei einem Kaffee entstehen. Das ist möglich, weil es im Schweizer Parlament keinen Fraktionszwang gibt. Es kann gut sein, dass man am Vormittag im Rat den Vorstoss eines Kollegen leidenschaftlich bekämpft – und am Nachmittag gemeinsam mit ihm einen Antrag vorbereitet. Gerade bei uns im Ständerat ist das spürbar. Hier ist es sogar verpönt, dass man Parteien anspricht oder gar kritisiert. Das stärkt die unterschiedlichen persönlichen Perspektiven. Vertreter aus Städten, aus Bergkantonen oder aus der Wirtschaft bringen ganz eigene Erfahrungen ein. Gerade im Ständerat wird deutlich, wie stark unsere Schweiz vom Dialog lebt. Am Ende eines Tages verlässt man das Bundeshaus selten mit dem Gefühl, die eine perfekte Lösung gefunden zu haben. Aber oft mit der Überzeugung, einen Schritt weiter zu sein.