Die Herausforderungen bleiben – lösen wir sie!
- 30. Juni 2026
- 4 min Lesezeit
Die Schweizer Stimmbevölkerung hat entschieden. Die 10-Millionen-Schweiz-Initiative wurde abgelehnt. Ich begrüsse das Resultat. Ein starrer Deckel hätte unserem Wohlstand massiv geschadet. Es wäre aber ein Fehler, nun einfach zur Tagesordnung überzugehen. Denn die Abstimmung hat eines deutlich gezeigt: Es gibt Handlungsbedarf: Insbesondere beim Zustand unserer Infrastruktur, der Wohnbaupolitik und im Asylwesen. Darauf will ich in meiner Arbeit ein starkes Augenmerk legen. Brief aus dem Ständerat vom 30. Juni 2026 im Willisauer Bote
Die vielen Gespräche im Abstimmungskampf haben mir gezeigt, viele sorgen sich um steigende Mieten. Um volle Züge. Um Staus auf den Strassen. Dazu wird der Traum vom Eigenheim für viele Familien immer schwerer erreichbar. Genauso oft wurde ich auf den Handlungsbedarf im Asylwesen angesprochen. Wer diese legitimen Sorgen der Bevölkerung ignoriert, stärkt am Ende jene Kräfte, die einfache Antworten auf komplexe Fragen versprechen. Ich sehe es deshalb als meine Pflicht, hier konkrete Lösungen auf den Weg zu bringen.
Entscheidend ist, dass diese sehr gezielt bei den Problemen ansetzen und nicht unsere Wirtschaft abwürgen. Unsere Unternehmen leben von Offenheit, Innovation und starken internationalen Beziehungen. Unser Wohlstand basiert darauf, dass wir Talente fördern, Unternehmen entwickeln und unsere Produkte erfolgreich in die Welt exportieren können.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob die Schweiz wächst. Die entscheidende Frage lautet, wie wir dieses Wachstum gestalten. Dazu braucht es Ehrlichkeit. Und dazu braucht es den Mut, Probleme anzupacken. Ein Beispiel ist die Wohnungsknappheit. Die Ursachen sind bekannt: langwierige Verfahren, komplizierte Vorschriften und unzählige Einsprachen. Wenn ein Bauprojekt länger bewilligt als gebaut wird, läuft etwas falsch. Ähnlich sieht es bei der Infrastruktur aus. Die Schweiz verfügt über ein ausgezeichnetes Verkehrsnetz. Doch vielerorts stösst es an seine Grenzen. Wer täglich pendelt, erlebt dies unmittelbar. Unser Staat muss fähig sein, rechtzeitig in Strassen, Schienen und moderne Mobilitätslösungen zu investieren.
Damit komme ich zu einem Punkt, der mich zunehmend beschäftigt: Wir drohen an unserer eigenen Perfektion zu scheitern. Immer häufiger stehen wir uns selbst im Weg. Für jedes Problem schaffen wir neue Vorschriften. Für jede Ausnahme neue Formulare. Für jede Unsicherheit neue Verfahren. Das Ergebnis sind steigende Kosten, längere Prozesse und zunehmende Frustration. Wir bürokratisieren uns selbst!
Das gilt auch für das Asylwesen. Die Schweizer Bevölkerung erwartet zu Recht, dass geltendes Recht durchgesetzt wird. Wer Schutz benötigt, soll Schutz erhalten. Wer kein Bleiberecht hat, muss die Schweiz wieder verlassen. Nur ein glaubwürdiges Asylsystem findet langfristig Akzeptanz. Das Parlament hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Vorstösse eingereicht und durchgesetzt. Sie betreffen schnellere Verfahren, konsequentere Wegweisungen, die Bekämpfung von Missbräuchen sowie eine bessere Steuerung der Migration. Der zuständige Bundesrat Beat Jans nun gefordert ist, diese Entscheide konsequent umzusetzen.
Gleichzeitig dürfen wir bei allen politischen Diskussionen eines nicht vergessen: Die Schweiz lebt nicht von Gesetzen und Verordnungen. Sie lebt vor allem von den Menschen, die Verantwortung übernehmen. Tag für Tag engagieren sich unzählige Personen in Vereinen, Feuerwehren, Unternehmen, Kirchen, Verbänden, Gemeinden und Organisationen. Sie leisten einen Beitrag für den Zusammenhalt unseres Landes. Dafür verdienen sie unseren Dank und unsere Anerkennung.
Vor wenigen Tagen durfte ich mit der FDP.Die Liberalen Willisau am Städtlisommer unterwegs sein. Die vielen Begegnungen und Gespräche werden mir in bester Erinnerung bleiben. Nicht weil alle derselben Meinung waren. Sondern weil man einander zuhörte, diskutierte und respektvoll begegnete. Gerade in einer Zeit, in der politische Debatten oft lauter und härter werden, ist das ein wichtiges Zeichen. Politik findet dort statt, wo Menschen miteinander sprechen, unterschiedliche Ansichten austauschen und gemeinsam nach Lösungen suchen.
Die Schweiz war immer dann besonders erfolgreich, wenn sie Herausforderungen früh erkannt und entschlossen gehandelt hat. Daran sollten wir anknüpfen – mit Zuversicht, Pragmatismus und dem Willen, unser Land aktiv zu gestalten.
Nun stehen die Sommerwochen vor der Tür. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien erholsame Tage, Zeit für sich selbst, Zeit mit Freunden und der Familie sowie viele schöne Momente in unserer einzigartigen Heimat.
Ich werde die Gelegenheit nutzen, um ab und zu auf den Napf zu wandern und den Kopf etwas zu lüften. Vielleicht ergibt sich dabei ja die eine oder andere spontane Begegnung. Darüber würde ich mich freuen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Sommer und danke Ihnen für alles, was Sie tagtäglich für unsere Gesellschaft leisten.