Damian Müller | Ständerat

Warum die Individualbesteuerung eine Chance ist

  • 20. Februar 2026
  • 1 min Lesezeit

Am 8. März stimmen wir über die Individualbesteuerung ab. Die Debatte darum sollte nicht ideologisch geführt werden, indem Familienmodelle gegeneinander ausgespielt werden, sondern vor allem die wirtschaftlichen Auswirkungen auf das Fachkräfteangebot und die Erwerbssituation der Frauen bewerten.

Ein zentrales Argument für die Individualbesteuerung ist für mich die Beseitigung negativer Erwerbsanreize: Heute führt die gemeinsame Veranlagung von Ehepaaren häufig dazu, dass Zweitverdienende – meist Frauen – ihren Arbeitseinsatz reduzieren oder ganz verzichten, weil sich Mehrarbeit nach Steuerprogression nicht lohnt. Studien zeigen, dass rund 80 % derjenigen, die ihre Arbeitszeit erhöhen möchten, Frauen im erwerbsfähigen Alter sind – viele davon gut ausgebildet. Werden diese Erwerbsbarrieren abgebaut, könnten bis zu 44 000 zusätzliche Vollzeitstellen besetzt werden, was in Zeiten des Fachkräftemangels ein Gewinn für Wirtschaft, Renten der Frauen und die Privathaushalte wäre.

Kritiker wiederum warnen insbesondere vor Steuerausfällen, doch die geschätzten rund 600 Millionen Franken pro Jahr sind im gesamtstaatlichen Kontext moderat und werden langfristig durch zusätzliche Einnahmen aus höherer Erwerbstätigkeit und privatem Konsum kompensiert.

Zusammengefasst zeigen die Zahlen für mich, dass eine Individualbesteuerung nicht nur Gleichstellungsfragen adressiert, sondern konkrete positive Effekte auf die Beschäftigungszahlen hat. Angesichts des demografischen Wandels und des anhaltenden Arbeitskräftebedarfs und der damit verbundenen Zuwanderung wäre es unklug, diese Chance zu verpassen. Deshalb: JA am 8. März zur Individualbesteuerung!