Damian Müller | Ständerat
Vernetzte Welt
  • 30. Mai 2022
  • 2 min Lesezeit

Vorteile der Digitalisierung nutzen

Das Schweizer Gesundheitssystem ist stark analog ausgerichtet. In der Sommersession befasst sich das Parlament mit verschiedenen Digitalisierungsvorschlägen. Auch der Bundesrat hat nach Druck aus dem Parlament Handlungsbedarf ausgemacht. Richtig eingesetzt, kann die Digitalisierung zu Milliardeneinsparungen führen.


Es zeigt den aktuellen Stillstand rund um die Digitalisierung im Gesundheitswesen exemplarisch auf: Das elektronische Patientendossier (EPD). Seit Jahren kommen die Arbeiten nicht voran. Aktuell gilt das EPD als «PDF-Friedhof».

Jetzt müssen wir einen Neuanfang wagen und die Chancen der Digitalisierung endlich nutzen. In der vergangenen Frühlingssession hat sich der Nationalrat für zwei entsprechende Motionen ausgesprochen. Zuvor schon forderte die WBK-N die Einrichtung einer multidisziplinären Arbeitsgruppe, um die Grundlagen zu einem Gesundheitsdaten-Ökosystem zu liefern.

Anfang Mai hat der Bundesrat den Bericht zu einem Postulat (Digitalisierung im Gesundheitswesen) verabschiedet. Der Bericht kommt zum Schluss, dass ein «nationales System zur Weiterverwendung und Verknüpfung von Gesundheitsdaten» geschaffen werden sollte. Der Bundesrat beabsichtigt, den Vorschlag weiter zu konkretisieren. Zudem hat er einen wichtigen Entscheid zum elektronischen Patientendossier gefällt. Ende April wurde eine Revision des Bundesgesetzes über das elektronische Patientendossier angekündigt.

Ich begrüsse den Effort bei der Digitalisierung. Für mich ist entscheidend, dass Patientinnen und Patienten dadurch eine bessere Qualität bekommen. Doch auch das Potenzial zu Kosteneinsparungen sollten wir unbedingt nutzen. Im Digital Health Report beispielsweise, der letztes Jahr publiziert wurde, wird auf eine Meta-Analyse von rund 600 wissenschaftlichen Publikationen über Kosteneinsparungen durch Digital-Health-Anwendungen verwiesen, die zeigen, dass Einsparungen von 6.5 bis 10.8 Prozent erreicht werden könnten. In der Schweiz würde dies in etwa einen gesamtwirtschaftlichen Nutzen von fünf bis acht Milliarden Franken ausmachen – oder monatlich eine Einsparung zwischen 50 und 85 Franken pro Einwohnerin und Einwohner.