Damian Müller | Ständerat
Zuversicht
  • 16. Mai 2019
  • 3 min Lesezeit
  • Blogbeitrag

Liberale Leitplanken für Pharma und Gesundheit

Ich habe weder ein Mandat bei einer Krankenkasse, noch sitze ich im Verwaltungsrat einer Klinikgruppe. So gesehen bin ich kein „klassischer“ Gesundheitspolitiker und profitiere auch nicht von der Beibehaltung des aktuellen Status Quo. Gerade weil dem so ist, möchte ich einige Gedanken zur Entwicklung des Schweizer Gesundheitswesens einbringen.


Unser Gesundheitssystem halte ich für leistungsfähig und qualitativ sehr gut. Aber, und das ist fatal: Es belohnt jene, die möglichst oft zum Arzt gehen. Ich spreche hier explizit nicht von chronisch kranken Menschen, die keine andere Wahl haben. Ich spreche von ganz vielen gesunden Personen, die eine eigentliche Konsummentalität im Gesundheitswesen an den Tag legen. Weil sie einzahlen, wollen sie auch Leistungen beziehen. Diese Entwicklung ist bedenklich und hier gilt es, die richtigen Leitplanken zu setzen, damit die Eigenverantwortung der Patientinnen und Patienten gefördert wird.

Ein gesunder Wettbewerb

Wettbewerb im Gesundheitswesen finde ich grundsätzlich gut. Vor allem, wenn er dazu beiträgt, eine höhere Qualität zu erreichen. Qualitätsratings helfen den Patienten, Entscheidungen zu treffen und tragen zu einer echten Wahlfreiheit bei. Ich möchte einer weiteren Verstaatlichung des Gesundheitswesens entgegenwirken. Bleiben wir unbedingt bei der Vielfalt an Versicherungs- und Versorgungsmodellen. Nur so stellen wir sicher, dass Innovationen weiterhin möglich sind. Grosse Durchbrüche sind in der Pharmaforschung zwar die Ausnahme. Es gibt aber viele kleine Fortschritte. Ich bin zudem fest überzeugt, dass der technologische Fortschritt gerade im Gesundheitswesen viel bewirken kann.

Digitalisierung im Gesundheitsweisen

Die Digitalisierung ist für mich ganz generell eines der wichtigsten Themen meiner politischen Arbeit, auch im Gesundheitswesen. Im Gesundheitsbereich spricht man in diesem Zusammenhang von eHealth. Darunter werden verschiedene Ziele und Anwendungen der Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) in medizinischen oder administrativen Bereichen des Gesundheitswesens zusammengefasst.

Bei eHealth geht es nicht einfach darum, möglichst viele Daten über die Gesundheit der Menschen zu sammeln. Dank den richtigen Daten ist es möglich, schnellere, bessere und erst noch günstigere Diagnosen und Therapien zu bekommen. Die Angst vieler, dass die Gesundheitsdaten in falsche Hände kommen könnten, müssen wir ernstnehmen. Strenge Richtlinien helfen, Vertrauen zu schaffen. Aber eHealth ist die Zukunft und wir sollten uns frühzeitig daran beteiligen, damit wir den Anschluss nicht verlieren.

«Stille» Innovationen

Beim Stichwort Innovationen denke ich natürlich auch an unsere beiden international tätigen Pharmakonzerne Novartis und Roche. Rund 23 Milliarden Franken Gewinn erwirtschafteten Novartis und Roche gemeinsam im vergangenen Jahr. Viele ihrer Produkte gelten weltweit als führend. Aber spricht die Schweiz darüber? Nein. Es ist halt viel einfacher, pauschal Kritik zu üben, als die Leistungen anzuerkennen und konstruktive Vorschläge zu machen.

Zu viele Akteure im Gesundheitswesen vertreten heute vor allem ihre Partikularinteressen. Zu viele verdienen gut daran, dass alles so bleibt, wie es ist. Für mich ist wahrer Liberalismus aber das Streben nach Optimierung. Dieses Streben müsste die Gesundheitspolitik viel stärker bestimmen.

Unser Gesundheitssystem optimieren

Im Gesundheitswesen will die Politik nichts weniger als die Quadratur des Kreises: Ein qualitativ besseres Gesundheitssystem, welches aber weniger kostet. Dies ist möglich. Hören wir auf mit den ewigen Grabenkämpfen. Alle sagen immer nur, was nicht geht. Und was sowieso nichts bringt. Schaffen wir Raum für mehr unternehmerische Freiheit, Eigenverantwortung und Innovation. Stärken wir die Pharmabranche durch gezielte Anreize für Innovation und die Einführung moderner Technologien (eHealth). Verhindern wir eine weitere Verakademisierung der Pflegeberufe, denn damit erreichen wir vor allem, dass die Kosten steigen. Sorgen wir für transparente Geldflüsse in der ambulanten und stationären Medizin. Nur dann wissen wir, woher das Geld kommt und wohin es fliesst. Optimieren wir also unser heutiges System, statt dass wir einfach ein neues Giesskannen-Prinzip einführen. Es geht schliesslich um das wertvollste Gut überhaupt: Unsere Gesundheit.

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