Damian Müller | Ständerat
Solidarität
  • 07. November 2021
  • 5 min Lesezeit
  • Präsidium SVPS

Er will den Pferdesport modernisieren

Heute übernimmt FDP-Ständerat Damian Müller aus Hitzkirch das Präsidium des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport. Interview von: Ernesto Piazza


Bisher kannte Sie die breite Öffentlichkeit als Luzerner FDP-Ständerat. Kommt jetzt ein neuer Damian Müller zum Vorschein mit der Übernahme des Präsidiums des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport?

Damian Müller: Nein, überhaupt nicht. Meine Freunde kennen diese Seite von mir schon lange. Schliesslich ist die Reit- und Pferdewelt schon seit mich meine Eltern zum ersten Mal an die Hitzkircher Pferde- und Ponyrennen mitgenommen haben, Teil meines Lebens. Damals habe ich mich mit dem Pferdevirus angesteckt und reiten gelernt.

Und Sie sind offenbar bis heute mit dem Reitsport verbunden geblieben.

In den letzten 25 Jahren war ich als Reiter, OK-Mitglied an diversen Veranstaltungen und vor allem als Kommentator und Speaker in der ganzen Schweiz unterwegs.

Kommen Sie bei den vielen Terminen überhaupt noch dazu, auszureiten?

Leider zu wenig. In meiner Agenda ist der Samstagnachmittag jedoch fest fixiert. Da gehe ich in den Reitstall von Freunden und es kommt nicht selten vor, dass ich dann noch ausreite. Zudem pflege ich meine Freundschaften in der Reiterszene selbstverständlich weiterhin.

Sie treten das Präsidium des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport (SVPS) in einer unruhigen Zeit für den Pferdesport an, die unschönen Bilder von Olympia in Tokio sind immer noch präsent. Wieso treten Sie diesen Job an?

Die Pferde sind meine Leidenschaft und geben mir Kraft. Zudem will ich mit meinem Team die Öffentlichkeit weiter dafür sensibilisieren, dass das Pferd auch heute noch eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft spielt.

Wie haben Sie Tokio als Pferdesportfan erlebt?

Natürlich hat auch mich sehr betroffen gemacht, was wir aus Tokio übermittelt bekamen. Die traurigen Bilder, sprich der Tod unseres Spitzenpferdes «Jet Set» oder diejenigen des Modernen Fünfkampfs, dürfen aber nicht missbraucht werden, um den Reitsport als Ganzes zu verteufeln. Auf den Modernen Fünfkampf beispielsweise, wo dieser bedauerliche Vorfall passierte, haben wir als Verband keinen Einfluss. Denn diese Sportart gehört nicht zu unseren Disziplinen. Trotz allem dürfen wir aber auch nicht vergessen, dass wir in Tokio ebenfalls tollen Pferdesport erlebt haben.

Trotzdem: Was muss sich beim Pferde-Spitzensport verändern?

Wir sind uns international einig, unsere Anstrengungen verstärken zu müssen, damit das Wohl der Tiere im Mittelpunkt des Pferdesports bleibt. Höchstleistungen zu zweit sind nur möglich, wenn dafür die Voraussetzungen für beide Partner stimmen. Dass es in jedem Sport, wie generell im Leben, schwarze Schafe gibt, ist eine Tatsache.

Wo sehen Sie konkreten Handlungsbedarf?

Hier mit Reglementsverschärfungen und strikteren Sanktionen entgegenzuwirken, ist eine Massnahme. Aber kein noch so strenges Reglement verhindert Missbräuche. Entscheidend sind der Mensch und sein ethisches Verständnis. Hier müssen wir ansetzen. Deshalb haben wir als Verband schon vor einiger Zeit begonnen, die Ausbildung zu intensivieren. Wir haben die Schwerpunkte und das Ausbildungsniveau mit Attest und Diplom, sowie Brevet und Lizenz justiert. Dazu haben wir auch im Bereich Ethik und Sensibilisierung geschult.

Was sind dabei die grössten Knackpunkte?

Eine grosse Herausforderung ist, Pferdesportlerinnen und Pferdesportler mit unseren Anliegen und Ausbildungen zu erreichen, die nicht einem unserer Mitgliederverbände angeschlossen sind. In der Schweiz reiten rund 200 000 Menschen zwischen 10 und 74 Jahren, davon sind etwa 60 000 in unserem Verband organisiert, es sind überwiegend Frauen. Wir dürfen bei allen Negativschlagzeilen nicht ausser Acht lassen, dass die überwiegende Mehrheit diesen Sport aus Liebe zum Tier betreibt.

Sehen Sie weitere Schwierigkeiten?

Da ist beispielsweise die Tatsache, dass der Pferdesport an sich weniger homogen ist, als man meinen könnte. Der bereits angesprochene Fünfkampf oder der Pferderennsport sind von unserem Sportverband unabhängig und wir haben auf das Wettkampfgeschehen nur beschränkte Einflussmöglichkeiten. Zudem können wir das, was in den heimischen Ställen passiert, weder beaufsichtigen noch sanktionieren. Dafür fehlt uns die juristische Handhabe. Trotzdem: Wir entziehen uns der Diskussion nicht und setzen übergeordnet das Pferd und unser Handeln ins Zentrum.

Inwiefern sehen Sie ein Problem darin, dass sich die Möglichkeiten für den Pferdesport in der freien Natur – aufgrund der zunehmenden Bautätigkeit in Stadt und Agglomeration – verschlechtert haben?

Es ist schon so, dass sich die Rahmenbedingungen für unseren Sport über die Jahre zunehmend verschlechtert haben.

Zum Beispiel?

Ausreiten in der Natur muss möglich sein. Es geht mit- und nebeneinander. Es wird immer schwieriger, für die Tiere genügend Freilauf- und Ausreitmöglichkeiten in den Ballungszentren zu finden. Die Räume für die Pferdehaltung werden immer enger und die Auflagen strenger. So kann ein Reitstall nur noch im Gewerbegebiet gebaut werden. Das ist absurd. Deshalb müssen wir, wenn wir heute über Raumplanung reden, zwingend auch die Interessen des Pferdes berücksichtigen. Als SVPS-Präsident werde ich mich deshalb auch für eine pferdefreundliche Raumplanung einsetzen.

Was wollen Sie nun als Erstes anpacken?

Wir sind als Verband gut aufgestellt und erfolgreich. Aber wir dürfen nicht ausruhen und müssen uns nach vorne orientieren. Deshalb haben wir das Projekt «SVPS 2030» gestartet, welches im nächsten Jahr in die erste Umsetzungsphase kommt. Wir haben uns mit diesem Projekt auch zum Ziel gesetzt, bis 2030 der modernste Sportverband zu werden. Dabei wollen wir den Fokus verstärkt auf die Freizeitreiterei richten, wobei die Strukturen und der Umgang mit Pferd und Gesellschaft zentrale Schwerpunkte sind.

Der SVPS-Vorstand 2022 v.l.n.r.: Peter Zeller, Pierre Brunschwig, Gisela Marty, Damian Müller, Nayla Stössel, Thomas Järmann, Franz Häfliger (Bild: © SVPS/Marco Finsterwald).