Mitgliederversammlung Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft

Dieser Event fand am 10. Juni 2017 statt.

Zeit: 10.00 Uhr

Adresse: Verkehrshaus der Schweiz, Lidostrasse 5, CH-6006 Luzern

 

Grusswort Mitgliederversammlung der Schweizerischen MS-Gesellschaft


Sehr geehrte Frau Präsidentin
Geschätzte Vorstands-Mitglieder
Liebe Mitglieder der Schweizerischen MS-Gesellschaft
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Regional-, Kontakt- und Selbsthilfegruppen
Liebe Gäste

Herzlich willkommen hier im beeindruckenden Verkehrshaus der Schweiz. Dieses ist neben dem KKL einer der zahlreichen Anziehungspunkte an allerbester Lage in unserem schönen Kanton Luzern.

Für ihre Einladung zu Ihrer diesjährigen Mitgliederversammlung bedanke ich mich herzlich. Es ist mir eine grosse Freude, heute unter Ihnen zu weilen und einige Worte an Sie richten zu dürfen.

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Meine Damen und Herren

Kürzlich ist mir folgender Satz begegnet: «Gesund ist man erst, wenn man wieder alles tun kann, was einem schadet.» Dieser Satz stammt vom österreichischen Dichter und Satiriker Karl Kraus, der vor hundert Jahren gelebt hat. Und er ist mir einige Male durch den Kopf gegangen bei der Vorbereitung dieses Grussworts. Der Satz bringt auf den Punkt, wie viele von uns mit der Gesundheit umgehen.

Oder anders gesagt: Wird nicht zu viel getrunken? Zuviel und zu ungesund gegessen? Zuviel gearbeitet und gestresst? Gehen wir nicht mit der Gesundheit zu sorglos um, fast so, als ob wir eine zweite hätten? Die Antwort ist: Wir haben ja vielfach eine zweite, eine dritte oder eine vierte Chance, wenn es um die Gesundheit geht. Es ist oft so, dass man sich von einer Krankheit auch wieder erholt. Und dass es dann weitergeht, als ob nichts geschehen wäre. Eben, dass wieder zu viel gegessen, getrunken und gearbeitet wird. Gerade wenn man jung ist.

Was Gesundheit wirklich bedeutet, merkt man erst, wenn man sie wirklich nicht mehr hat und es keine zweite oder dritte Chance mehr gibt. Wer weiss das besser, als jemand, der mit einer chronischen Krankheit konfrontiert wird, wie beispielsweise mit MS. Oder wer als gesunder Mensch mit Menschen zusammen ist, die an MS leiden.

Natürlich bedeutet die Diagnose MS heute nicht mehr das Gleiche wie noch vor wenigen Jahren oder Jahrzehnten, als die Krankheit noch viel weniger erforscht war und als noch viel weniger Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung standen. Heute sind Medikamente und Behandlungsmethoden weit besser entwickelt und deshalb auch wirksamer. Aber auch heute ist nach wie vor so, dass MS unheilbar ist, dass Betroffene ihr weiteres Leben damit zu kämpfen haben und sich damit arrangieren müssen.

Da ist Ihre Rolle als Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft eminent wichtig. Wer an MS leidet, ist froh, in Ihnen einen Anwalt zu haben, der sich für die Betroffenen und auch für das Umfeld einsetzt.

Wer von MS betroffen ist, ist auch froh, bei Ihnen auf zahlreiche professionelle Dienstleistungen zählen zu können, um die grösstmöglichste Selbständigkeit zu erhalten, so lange es irgendwie geht. Und MS Betroffene sind vor allem auch glücklich, dass es mit Ihnen eine Institution gibt, die sich für Forschung stark macht und dafür sorgt, dass den Betroffenen diese Forschung auch zugute kommt.

Zudem leisten Sie noch etwas ganz anderes, mindestens ebenso Wichtiges. Sie bieten ein Netz an, ein Netz, gewoben aus Vertrauen, aus sich-Kümmern, sich-Sorgen, aus Auf-Sich-Acht-Geben. Dieses Signal, das Sie vor knapp 10 Tagen aus verschiedenen Schweizer Gross-Städten ausgesendet haben, ist sicherlich angekommen. Und ich hoffe, es wirkt noch lange nach.

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Mitglieder der Schweizerischen MS-Gesellschaft
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Regional-, Kontakt- und Selbsthilfegruppen

Es ist mir ein grosses Anliegen, Ihnen für Ihre grosse Arbeit, Ihren Einsatz und Ihr Engagement von ganzem Herzen zu danken. Dank Ihnen geht es den geschätzten 10’000 MS-Betroffenen in unserem Land besser.

Sie geben all diesen Menschen, die aufgrund Ihrer Krankheit die harten Anforderungen der heutigen Welt nicht mehr vollumfänglich erfüllen können, ein neues Selbstwertgefühl. Dank Ihnen gehören diese Menschen immer noch dazu in unserer Gesellschaft.

Ich weiss, Sie tun das freiwillig und ohne Bezahlung. Freiwilligenarbeit ist heute alles andere als selbstverständlich. Aber sie ist nötig. Und ich kann Ihnen versichern, sie wird nicht nur zur Kenntnis genommen, sie wird gerade auch von der Politik enorm geschätzt.

Freiwilligen-Arbeit ist heute nötig und sie wird es morgen immer noch sein. Denn die Aufgaben sind wichtig und es ist schlicht unmöglich, dass der Staat oder die Gesellschaft die ganze Arbeit übernehmen und finanzieren kann. Eine funktionierende Gesellschaft wird auch in Zukunft auf Menschen wie Sie angewiesen sein, die sich für andere Menschen einsetzen, denen es nicht so gut geht, ohne gleich ein Preis-Schild zu präsentieren.

Aber auch der Staat hat seine Rolle zu spielen. Die Instrumente dafür sind vorhanden. Und die Menschen an den zuständigen Stellen, sei es bei den Versicherungen, bei der Forschungsfinanzierung oder bei der Stelle für Medikamentenzulassung kennen Ihre Wünsche und Bedürfnisse.

 

Aber ist wie bei allem im Leben, manchmal braucht es ein bisschen mehr Geduld, als einem lieb ist. Ganz im Sinne der viel zitierten Aussage: Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger. Wichtig ist, dass Sie sich mit aller Kraft und auf allen Ebenen weiterhin für die Anliegen der MS-Betroffenen einsetzen, damit Ihre Anforderungen wahrgenommen werden und die Wunder dann hoffentlich doch nicht so lange auf sich warten lassen.

Damit komme ich zum Schluss: Ich danke Ihnen nochmals für ihre grosse und grossartige Arbeit und wünsche Ihnen jetzt eine erfolgreiche Versammlung.

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