Kantonale Jugendsession 2017

Dieser Event fand am 27. Oktober 2017 statt.

Adresse: Kantonsratssaal Luzern

 

Die 4. Kantonale Jugendsession fand am 27. Oktober 2017 statt. Engagierte Jugendliche aus dem ganzen Kanton Luzern diskutierten einen Tag lang zu verschiedenen Themen rund um Gleichstellung von Mann und Frau, Bildung, Political Correctness und Tourismus. Die Rede von Damian Müller:

 

Kompromisse und Respekt sind die Grundlage nachhaltiger Politik

Dass junge Menschen die Politik nicht einfach den älteren Generationen überlassen, sondern Ihre Interessen selber formulieren, war mir schon immer ein Anliegen. Um die Zukunft mitzugestalten, entschied ich mich daher bereits früh, selber politisch aktiv zu werden. Das Jugendparlament in Luzern hat nun auch anderen jungen Menschen die Möglichkeit geboten, mit der Praxis der politischen Arbeit zum ersten Mal in Berührung zu kommen.

 

Im Jugendparlament lernt man, seine eigene Meinung zu äussern.
Man lernt, seine Ansichten zu formulieren, zu vertreten und für seine Werte einzustehen. Man merkt auch, dass man keine Lösungen findet, wenn man nicht dem Gegenüber zuhört, alle Argumente abwägt und das Beste von den eigenen Argumenten mit dem Besten der Argumente der Gegner kombiniert. Wenn dies gelingt, entsteht das, was die Schweizer Politik schon lange erfolgreich macht. Das, was man auch als die DNA unserer Politik bezeichnen könnte: Der Kompromiss.

 

Der Kompromiss ermöglicht Lösungen über politische, soziale, ethnische und religiöse Grenzen hinweg, die ein weitgehend konfliktfreies Miteinander ermöglichen. Lösungen, mit denen alle leben können, weil alle etwas gewinnen, obwohl alle etwas geben und ihre Eigeninteressen teilweise hintanstellen müssen. Lösungen, die niemanden bevorteilen, sondern von allen als fair empfunden und mitgetragen werden.

 

Doch für tragfähige Lösungen ist noch ein weiterer Punkt entscheidend: Der gegenseitige Respekt. Unser politisches System funktioniert so gut, weil sich viele die Mühe machen, sich auch in die Situation des Gegenübers zu versetzen und dessen Interessen ernst zu nehmen. Tragfähige Kompromisse setzen den gegenseitigen Respekt voraus.

 

Unsere urschweizerische Tradition des Kompromisses und des Respekts gegenüber dem politischen Gegner ist leider in den vergangenen Jahren immer stärker unter Druck geraten. Gewissen Kreise werden nicht müde, unsere politischen Institutionen schlechtzureden und Frauen und Männer, die politische Verantwortung übernehmen, als Mitglieder einer abgehobenen „Classe politique“ zu verunglimpfen. Dieser Vorwurf ist absurd, denn in keinem anderen Land der Welt ist die Politik derart in der Bevölkerung verankert wie bei uns. Die Milizpolitikerinnen und -politiker in unserem Land kommen direkt aus der Mitte der Gesellschaft. Wird jemand tatsächlich abgehoben, wird er mit grosser Wahrscheinlichkeit bei den nächsten Wahlen abgestraft. Das realitätsferne Narrativ einer elitären „Classe politique“ zeugt nicht von Respekt. Es dient gewissen Kreisen, mittels dem Schüren von Emotionen die eigene Anhängerschaft zu mobilisieren und bei Frustrierten und Empörten zu punkten. Konstruktiv ist das nicht. Im Gegenteil: Unser fein austariertes politisches System wird zugunsten der Selbstprofilierung immer mehr ausgehöhlt.

 

Deshalb ist es so wichtig, dass junge Menschen die Chance nutzen, die ein Jugendparlament bietet und selber erleben können, dass auf Respekt basierende Kompromisse das beste Rezept sind für solide Lösungen. Jenen jungen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die sich am Jugendparlament in Luzern beteiligten, danke ich für Ihr Interesse und Engagement und ermutige sie, weiterhin politisch interessiert zu bleiben und sich auch selber politisch zu engagieren. Und alle anderen Jungen möchte ich ermuntern, selber einmal an einem Jugendparlament teilzunehmen und sich mit Politik auseinanderzusetzen. Wer früh selber erfährt, wie wichtig die schweizerische Kompromisskultur und der gegenseitige Respekt für tragfähige Lösungen sind, wird die reisserische Rhetorik der Populisten durchschauen. In der Politik brauchen wir junge Menschen, die den Wert unserer Kompromissdemokratie verstehen. Aus eigener Erfahrung kann ich beurteilen, dass man als junger Mensch in der Politik viel erreichen kann. Denn die Politik ist der Ort, wo man etwas bewegen und gestalten kann. Sie ist der Ort, wo unsere Zukunft gestaltet wird. Und diese Zukunft liegt in den Händen der jungen Generation.

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