Jubiläum SwissFarmerPower Inwil AG

Dieser Event fand am 15. September 2017 statt.

Zeit: 16.30 Uhr

Adresse: SwissFarmerPower Inwil AG, Im Feld, 6034 Inwil

 

«Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.»

Am Freitag, 15. September 2017 feierte die SwissFarmerPower Inwil AG ihren 10. Geburtstag. Es war ein bewegender und schöner Abend. Als Ständerat des Kantons Luzern durfte ich ein Referat halten. Gerne gebe ich einen Auszug:

 

1894 sagte Kaiser Wilhelm der Zweite:
«Das Auto hat keine Zukunft, ich setze auf das Pferd.»

 

1926 meinte Lee De Forest, der Erfinder des Radios:
«Auf das Fernsehen sollten wir keine Träume vergeuden, Fernsehen ist nicht finanzierbar.»

 

Und 1943 verkündete Thomas Watson, der CEO von IBM:
«ich denke, dass es einen Weltmarkt von vielleicht fünf Computern gibt.»

 

Wo wären wir heute, wenn der Luzerner Bauernverband, die fenaco und der Innovationstransfer Zentralschweiz genauso gedacht hätten wie Kater Wilhelm, Lee De Forest oder Thomas Watson? Oder zahlreiche andere, die genau gleich skeptisch in die Zukunft geschaut hatten. Wir wären geblieben, was wir waren und würden heute hier nicht Geburtstag feiern. Aber glücklicherweise gibt es die andern, die Mutigen, die Forschen, die Phantasievollen - Menschen wie Sie. Ich freue mich sehr, dass ich an diesem Freudentag bei Ihnen sein kann. Gerne gratuliere ich Ihnen zu Ihrem Jubiläum und zum Erfolg, der dieses Jubiläum schliesslich darstellt.

 

Ich weiss, wer etwas Neues auf die Beine stellen will, braucht nicht nur eine Idee, er braucht auch viel Energie und Durchhaltewillen. Denn eines ist klar, der Weg zum Erfolg ist nie gradlinig und leicht.  Und auf diesem Weg braucht er Partner, die an einen glauben und einen unterstützen, auch dann, wenn es manchmal nicht einfach nach oben geht. Partner wie eben die 75 Bauern, die fenaco oder die Unternehmen aus der Energiebranche, die heute an SwissFarmerPower beteiligt sind. Sie alle haben das Potential erkannt, das hier im Kanton Luzern besteht. Immerhin dem viertgrössten Landwirtschaftskanton der Schweiz. Die intensive Tierhaltung ist eine ausgezeichnete Voraussetzung für die Nutzung der Reststoffe. Und das ist ja das Grundkonzept von SwissFarmerPower: Den natürlichen Kreislauf durch die Wiederverwertung eigener Abfälle zu schliessen. 

 

Dass dem Inwiler Biogasprojekt nicht einfach eine energietechnische Spielerei ist, beweist die Tatsache, dass dieser ersten Grossanlage in der Schweiz weitere fast 100 Anlagen folgten.

 

Und der Anspruch, der die Biogasproduzenten an sich selber formulieren. Bis 2030 also in 13 Jahren, will die Schweizer Gaswirtschaft den Anteil an erneuerbarer Energie im Wärmemarkt auf 30 Prozent steigern.

 

Dieser Anspruch ist ambitiös, aber er scheint mir nicht unrealistisch. Das beste Zeichen dafür ist, dass die Branche selber einen Biogasfonds geschaffen hat. Damit sollen neue Anlagen gefördert werden, die Biogas ins Gasnetz einspeisen. Und was macht die Politik, werden Sie sich fragen? Die redet ja immer, dass ihr gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft sehr am Herzen liegen. Ich weiss, die Klage ihrer Branche, dass Biomasse nicht als erneuerbare Energie angesehen wurde und damit auch keinen Zugang zur kostendeckenden Einspeisevergütung KEV hatte, war sehr berechtigt. Die Politik hat das Ernst genommen und in der Energiestrategie 2050 die Biomasse neben der Wasserkraft, Photovoltaik, Windkraft und der Geothermie als KEV-berechtigt bezeichnet. Und dieser Strategie haben die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger im vergangenen Mai zugestimmt. Allerdings, wer Unterstützung erhalten will, muss sich beeilen. Denn die Mittel im dafür bereitgestellten Fonds sind begrenzt. Wie ich beim Bundesamt für Energie erfahren habe, gehen bei Swissgrid derzeit pro Monat rund 1000 Gesuche für die Vergütung von erneuerbaren Energien ein. Per Ende März 2017 waren 38’000 Gesuche auf der Warteliste, heute dürften es über 40’000 und damit einiges mehr sein. Zudem, das Instrument der KEV hat ein Ablaufdatum. Das Ablaufdatum ist der 31. Dezember 2022. Denn dann sind die fünf Jahre abgelaufen, die der Souverän bewilligt hat. Sie erinnern sich sicher, gerade die KEV wurde im Abstimmungskampf um die Energiestrategie 2050 als Subventionsmonster verschrieen. Gerade in unserer Partei war man sich da gar nicht einig. Wenn man die Frage von staatlicher Hilfe für private Unternehmen anschaut, ist es aus einem grundsätzlich liberalen Standpunkt natürlich richtig, nein zu sagen. In ideologischer Reinheit zu sterben, ist für mich aber keine Alternative. Ich denke, zeitlich befristete Anschubfinanzierungen zugunsten der erneuerbaren Energien sind ein gutes und richtiges Instrument. Und auch vor einem liberalen Gewissen zu rechtfertigen. Aber, und da bin ich auch klar, es wäre falsch, staatliche Beiträge, die ja schliesslich vom Konsumenten finanziert werden müssen, zu regulären Bestandteilen unternehmerischer Kalkulationen zu machen. In diesem Sinne bin ich auch ein klarer Befürworter des Ablaufdatums der KEV, oder der Sunset-Klausel, wie das so schön auf Neudeutsch heisst. Ich hoffe nur, dass der Sonnenuntergang nicht für gewisse Unternehmen zur Sonnenfinsternis wird.

 

 

Meine Damen und Herren: Wie gesagt, einen wichtigen Schritt haben wir in der Energiestrategie 2050 gemacht:

 

Was wir aber jetzt beschlossen haben, ist nur die halbe Miete. Mehr Effizienz und Förderung der Erneuerbaren allein reicht nicht, um unsere Strom- & Energieversorgung in Zukunft sicherzustellen.

 

Wir müssen nun den nächsten Schritt machen. Das heisst, wir müssen die Voraussetzungen schaffen, dass das Stromnetz auf den neusten Stand der Technik gebracht werden kann. Sie wissen, da haben wir einen grossen Nachholbedarf unter anderem aufgrund der immer dezentraleren Stromversorgung. Unsere Netze sind in die Jahre gekommen, eine rasche Sanierung der bestehenden Infrastruktur und der weitere Ausbau sind dringend nötig. Ohne die entsprechenden Netze bringt uns nämlich auch der rasche Ausbau der Erneuerbaren nichts, wenn der Strom nicht entsprechend transportiert werden kann. Versorgungssicherheit heisst vor allem auch, dass gute und effiziente Transportmöglichkeiten vorhanden sind, also ein Netz, das auf dem neusten Stand der Technik ist. Auch hier werden wir künftig mit einem neuen Begriff zu tun haben, einem Begriff, der in anderen Bereichen immer mehr Fuss fasst. Unsere Netze müssen smart werden. Oder anders gesagt, die Digitalisierung wird die künftige Stromversorgung nachhaltig beeinflussen und vor allem noch vielmehr als dies heute der Fall ist, auf die individuellen Bedürfnisse ausrichten. Wir reden von Smart-Grid oder intelligenter Stromnetze.

 

Meine Damen und Herren: Wir befinden uns bezüglich unserer Energie-Versorgung in einer sehr spannenden Zeit. Auf der einen Seite ist da die eben angesprochene Entwicklung bei der Verbesserung der Netze.

 

Auf der andern Seite auch bezüglich der Produktion. Ich bin überzeugt, dass die Probleme, welche die grossen Energiekonzerne haben, auch Chancen für die Kleinen sind. Wie für Sie hier mit ihrem Leuchtturm Swiss Farmer Power.

 

Sie mögen am Anfang belächelt worden sein, wie dies vielen Menschen geschieht, die sich in Ihrem Handeln bloss an einer nostalgisch verklärten Vergangenheit orientieren.

 

Dass Sie sich von allem Belächeln und aller Kritik nicht davon haben abbringen lassen, ihr Projekt zu verfolgen, verdient höchste Anerkennung.

 

Ich danke allen, die an dieses Projekt geglaubt und es ermöglicht haben. Sie zeigen, dass es sich lohnt, an die Zukunft zu glauben und sie tatkräftig anzupacken.

 

In diesem Sinne hoffe ich, dass der Leuchtturm Inwil noch lange und weit strahlen möge. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Projekt eine erfolgreiche Zukunft und danke ihnen für Ihre Aufmerksamkeit

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