Digitalisierung und KMU – Chancen und Risiken

Dieser Event fand am 5. Juli 2017 statt.

Zeit: 19.30 Uhr

Adresse: Mehrzweckhalle Gemeinde-Zentrum Sagi, 6207 Nottwil

 

 

Ist der Mensch bald überflüssig?

Die Roboter seien zuverlässiger und schneller als die Menschen. Was heisst das? Werden in Zukunft Roboter für die Menschen arbeiten?  Diese Frage beschäftigt aktuell viele Unternehmer und Bürger. Deshalb wurde von der FDP.Die Liberalen WK Sursee mit Unterstützung des Gewerbeverbandes dieser öffentliche Anlass mit hochkarätigen Referenten organisiert. Der zahlreiche Aufmarsch bestätigte das grosse Interesse und die Aktualität des Themas.

 

Der Präsident der FDP.Die Liberalen WK Sursee, Gerhard Bürkli, eröffnete den Abend mit einem kurzen Input aus der Geschichte: Aus Existenz-Angst und Furcht vor der Automation zündeten im 19. Jahrhundert in Rüti ZH Weber die neu erbaute Webfabrik an. Wo sind wir heute?

 

In seinem Referat führte Nationalrat und IT-Experte Marcel Dobler (Präsident von ICT Switzerland) aus, dass die Schweiz gute Chancen habe. Er selber habe vor Jahren als Informatiker mit zwei Partnern die Digitec gegründet. Dieses Start Up entwickelte sich in kurzer Zeit zu einem markanten Unternehmen mit 500 Arbeitsplätzen. Enorm hoch seien die stetig wachsenden Investitionen gewesen, die kontinuierlich in die IT (Informations-Technologie) getätigt werden mussten. Etwas vom Wichtigsten sei das Mithalten mit der rasanten Entwicklung gewesen. Dabei galt es, den Kunden kurz und zielgerichtet zum Geschäftsabschluss zu führen. Auch die stetig steigenden Volumina hätten laufend nach grösseren Kapazitäten verlangt. Dabei musste die Sicherheit immer gewährleistet sein. Im Online-Business müsse der Kunde die Produkte sofort und einfach finden können, seinen Kauf spontan und schnell tätigen und die Lieferung müsse die Versprechen halten. Der wichtigste Grundsatz sei gewesen: Nur dort investieren, wo ein Mehrwert geschaffen wird! Er legte dar, dass für Unternehmen ein riesiges Potential zum Kostensparen besteht. Firmen wie Uber oder AirBnB würden nur Plattformen zur Verfügung stellen, dadurch aber seien sie zu den weltweit grössten Anbietern geworden. Und was meint er zur Politik? Immer wieder beobachte er, wie Unternehmen und Unternehmer in der Schweiz nach protektionistischen Massnahmen riefen. Hier müsse mit der Entwicklung gegangen werden, sonst sei das Überleben nur noch eine Frage der Zeit.  

 

Der zweite Referent Ruedi Fehlmann (Digital Enterprise AG / Stiftungsrat Wirtschaftsförderung), stellte zuerst die Frage, ob die Digitalisierung nur ein Hype oder ein Wandel sei. Aus der Geschichte würden wir die Phase der Mechanisation (1.0), der Massenproduktion (2.0), die Automation (3.0) und nun als Industrie 4.0 die Digitalisierung kennen. Das Internet sei 1995 mit Web 1.0 gestartet, fürs 2020 erwarten wir Web 3.0. Es werde geschätzt, dass dann rund 60 Mrd. Geräte im Netz verbunden seien. Alle würden Daten verwenden und Daten produzieren, was heute als Big Data bezeichnet wird (big data = grosse, komplexe, schnelllebige und schwach strukturierte Datenmengen).

 

Nach seiner Einschätzung gäbe es wenig wirklich neue Geschäftsmodelle – aber zahlreiche verbesserte. Die Digitalisierung bezeichnete er als Pflicht und die digitale Transformation als Kür. Um das Unternehmen am Leben zu erhalten, bestünde die Pflicht, Abläufe und Prozesse zu optimieren. Auf der anderen Seite müsse das Erreichte stetig verbessert werden. Dies sei die Kür. Die Effizienz über alle Prozesse, die Benutzerfreundlichkeit, die Qualität und auch die Zuverlässigkeit dürften nichts zu wünschen übrig lassen, um im Markt bestehen zu bleiben. Speziell im Handel müsse darauf geachtet werden, dass der Online-Handel den traditionellen Handel befruchte und gegenseitig Synergien erzeugt würden.  

 

Im anschliessenden Podium wurden zahlreiche klare und auch harte Aussagen gemacht. Die Teilnehmer legten nüchterne Fakten dar und gaben ihre Einschätzungen zu kritischen Fragen. Für Gaudenz Zemp, Direktor Gewerbeverband Luzern, sind die Geschwindigkeit und die Gegensätze des Wandels eine grosse Herausforderung für KMUs. Ständerat Damian Müller stellte fest, dass die LZ nur noch 2 Bünde habe, mit der spontanen Bemerkung dass sie jetzt auch in 20 Minuten gelesen werden könne. – Warum wohl? Das digitale Zeitalter halte Einzug.  

 

Matthias Häfner, IT Valiant Bank, meinte, dass nicht nur die Umstellung der Prozesse auf digital, sondern auch neue Entwicklungen zahlreiche Herausforderungen bieten. Apple beispielsweise wolle bald im Geldverkehr (bis anhin das wichtigste Geschäft der Banken) mitmischen. Als KMU-Bank hätten sie grosse Aufgaben zu lösen.

 

Franz Räber, gelernter Schreiner und nun Anbieter für KMU-Lösungen für die Holzverarbeitende Branche, erhärtet, dass die Digitalisierung immer einen Mehrwert bringen müsse. Seine Aufgabe bestände darin, den Kunden und möglichen Kunden Vorteile zu bieten. Sie versuchten, die Digitalisierung spürbarer zu machen, in kleinen Schritten in der Produktion zu beginnen und so die Betriebe in die digitale Welt hereinwachsen zu lassen. Heute werde 30 Mal schneller produziert als noch vor 10 Jahren.

 

Nach dem Podiumsgespräch benutzten die Teilnehmer rege die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Vor allem interessierte die Sicherheit, die Zukunft der Arbeitsplätze und der Bildung sowie die Grenzen der Digitalisierung. Im Plenum meinte man, das grösste Sicherheitsrisiko für den Einzelnen sei das Smartphone. Man müsste nicht nur die Kameralinse abdecken, sondern auch das „Mikrophon ausschalten“, um nicht überall beobachtet zu werden. Ebenso taxierte man die Politik als hinterher hinkend. Sie solle vorwärts machen und die richtigen Leitplanken setzen. In Deutschland sei nur erlaubt, was ausdrücklich so deklariert sei, in der Schweiz umgekehrt. Wie sich der Umbruch in der Arbeitswelt auswirke, könne pessimistisch und optimistisch gesehen werden. Zum einen würden einfache Arbeitsplätze verschwinden, zum anderen brauche es immer qualifiziertere Mitarbeiter für immer komplexere Aufgaben. Die Bildung sollte dort greifen. Für eines sei noch keine Lösung in Sicht: Wo werden die Menschen beschäftigt, die nur einfache Arbeiten verrichten können!

 

Beim anschliessenden Apéro standen die Referenten und Podiumsteilnehmer noch lange bei angeregten Gesprächen zum Austausch zur Verfügung.

 

Einen Einblick in die Veranstaltung erhalten Sie auch in unserem Video

 

Ich möchte diesen Post teilen: